„Exterieurgipfel" in Südtirol

Unter den europäischen Chefklassifizierern gilt das jährliche Treffen als ein Fixpunkt in der Arbeitsplanung. Diesmal war der Tagungsort in Terenten/Südtirol, und die Kollegen aus Italien haben beste Vorarbeit für Planung und Organisation geleistet. Erstmals erging die Einladung auch an alle Mitgliedsverbände der WSFF.

Experten aus 11 Nationen trafen sich zum Exterieurgipfel in Südtirol. Sehr erfreulich war, dass auch Rassevertreter aus Polen und der Türkei anwesend waren. Die österreichischen Farben waren durch Ing. Johann Tanzler, Ing. Reinhard Pfleger und Ing. Gebhart Kitzmüller vertreten.

FleckScore auf dem Vormarsch

Zunächst wurde von jedem Land ein Überblick über die Situation der dortigen Exterieurbewertung gegeben. Es zeigte sich dabei, dass FleckScore als das allein gültige Bewertungssystem auf dem Vormarsch ist, wobei die Ausrüstung mit elektronischen Geräten noch nicht vollständig in jedem Land erfolgen konnte.
Dabei ist auch die neue Seite hinsichtlich Anwendung FleckScore-Online auf der Homepage der Europäischen Vereinigung hilfreich. Mittlerweile sind für dieses elektronische Formular fünf Sprachversionen verfügbar. An einer weiteren qualitativen Verbesserung der Aufbereitung des Themas FleckScore im Internet wird innerhalb der EVF AG Exterieur gearbeitet.
Aus Österreich informierte Reinhard Pfleger im Länderbericht über den Stand der Umsetzung des Systems FleckScore sowie über die angebotenen Schulungsveranstaltungen zum neuen Exterieurbewertungssystem. Diese Seminare trugen wesentlich dazu bei, das Verständnis und die Akzeptanz von FleckScore in der Züchterschaft zu verbessern.

Fachthemen

In allen Ländern wünscht man sich umgängliche und unkomplizierte Kühe. Zum Thema Nervosität wurden von Dr. Krogmeier Berechnungen aufgrund einer erweiterten Erfassungsskala in Bayern und Baden-Württemberg angestellt. Das Ergebnis: für nachkommengeprüfte Bullen ergibt sich durchaus ein plausibles Zuchtwertschätzergebnis. Für junge Bullen ist momentan der genomische Zuchtwert zu wenig aussagefähig. Mit viel Interesse wurde auch eine Studie zu einem Gesamtindex Exterieur bei Kühen aufgenommen. Dr. Degano von ANAPRI stellte verschiedene Modellvarianten vor, wobei die Hauptmerkmale nach ihrem Einfluss auf die Nutzungsdauer gewichtet wurden. Die überwiegende Mehrheit der Länder hat sich für die Einführung einer Gesamtexterieurnote ausgesprochen. Dies würde eine schnelle Rangierung der Kühe nach Exterieurqualität ermöglichen.

Praktische Übungen am Betrieb Etterer

Am zweiten Tag standen praktische Übungen auf der Tagesordnung. Auf dem Zuchtbetrieb Etterer in Terenten wurden sechs Kühe für eine länderübergreifende Vergleichsbewertung selektiert. Jedes Land vergab seine Bewertungen auf einem standardisierten Formular und die Ergebnisse wurden dann gesammelt in den Laptop eingegeben. Die LfL in Grub hat dafür ein eigenes Auswertungsprogramm entwickelt, welches sehr aussagekräftige Ergebnisse liefert. Nach erfolgter Auswertung wurden die bewerteten Kühe von Chefbewerter Bernhard Luntz gemeinsam mit den Teilnehmern analysiert. Auffassungsunterschiede bei bestimmten Merkmalen konnten so gut kommuniziert werden. Im Zuge der praktischen Bewertung stellte Reinhard Pfleger österreichische Neuentwicklungen im Bereich der Messtechnik vor. Die laserunterstützte Feststellung der Maße stieß in der europäischen Expertenrunde auf reges Interesse.

Resümee

Als Fazit gilt es dabei festzustellen: Noch nie waren die Ergebnisse in einem so harmonischen Bereich. Offensichtlich tragen die mittlerweile vielen gemeinsamen und länderspezifischen Schulungen ihre Früchte. Das Ergebnis wurde von allen Teilnehmern mit großer Zufriedenheit  entgegengenommen und sollte weiterer Anreiz sein, die Fleckviehzucht in Europa noch stärker zu vereinheitlichen.

Die Teilnehmer am Betrieb Etterer; Foto: ANAPRI
Die Teilnehmer am Betrieb Etterer; Foto: ANAPRI

 

Autoren: Bernhard Luntz, LfL Tierzucht Grub, und Ing. Reinhard Pfleger, AGÖF