Bewerterschulung 2015: Neues Niveau der Weiterbildung

Das traditionelle zweitägige Weiterbildungsseminar für Fleckviehexterieurbewerter fand 2015 erstmals in der Steiermark statt. Die Veranstalter ASR und AGÖF beauftragten die Rinderzucht Steiermark, die Veranstaltung auszurichten.

Der Einladung folgten über 50 aktive Beuteiler aus Österreich, Bayern, Baden-Württemberg und Hessen. Als Austragungsort bot der Betrieb der Familie Hans und Rosi Derler in Birkfeld mit einer Herde von 60 Fleckviehkühen und hofeigenem Kuhcafe ideale Voraussetzungen hinsichtlich theoretischer Schulungsinhalte und praktischer Einheiten am Tier.

Am Beginn des ersten Tages war von den Teilnehmern die lineare Beschreibung  von Jung- und Mehrkalbskühen nach dem System FleckScore zu erledigen. Die dafür notwendige Software inklusive eines revolutionären Auswertungsprogrammes wurde von Thomas Kahr, Genostar entwickelt. Die elektronischen Eingabegeräte wurden allen Teilnehmern ebenfalls zur Verfügung gestellt.


FleckScore bringt Qualitätsverbesserung

Dr. Dieter Krogmeier, LFL, referierte über Auswertungen zur Anwendung von FleckScore in Deutschland und Österreich. Im Jahr 2014 wurden in Österreich 16.700 Kühe linear beschrieben, in Deutschland waren es knapp 54.000 Tiere. In der Übereinstimmung der Notenvergaben zwischen den Ländern konnte ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis präsentiert werden. Die Einführung von FleckScore hat somit zur Vereinheitlichung und Verbesserung der Qualität der Zuchtwertschätzung Exterieur der Rasse Fleckvieh entscheidend beigetragen.

In weiterer Folge analysierte Dr. Krogmeier die Zusammenhänge zwischen den vergebenen Noten aus FleckScore und den Exterieurzuchtwerten der Fleckvieh-Stiere. Mit anschaulichen Grafiken konnte ein deutlicher Zusammenhang zwischen den Beurteilungen in der Nachzuchtbewertung und den Exterieurzuchtwerten aufgezeigt werden. Als entscheidendes Fazit strich der Referent heraus, dass allerdings bereits geringe Unterschiede in der absoluten Notenvergabe zu gravierenden Unterschieden in der absoluten Höhe der Exterieurzuchtwerte in den Einzel- und Hauptmerkmalen führen. Er appellierte daher an höchste Sorgfalt in der linearen Beschreibung von Fleckvieh als Voraussetzung für verlässliche und nachvollziehbare Exterieurzuchtwerte.

Dr. Christian Fürst, ZuchtData, brachte einen Überblick über den aktuellen Stand der Diskussion rund um die geplanten Änderungen im Gesamtzuchtwert. Basierend auf Analysen genetischer Trends und den Ergebnissen aus dem Projekt „OptiGene“ stehen derzeit Veränderungen in der Gewichtung der Bereiche Fett-Eiweiß-Verhältnis, Handelsklasse und maternale Fruchtbarkeit sowie Aufzuchtverluste zur Diskussion. Nach Beschlussfassungen in diversen Gremien könnte der neu konzipierte GZW bei Fleckvieh bei der ZWS April 2016 erstmals zur Anwendung kommen.

Bernd Luntz, LFL berichtete über Aktivitäten der europäischen Arbeitsgruppe Exterieur und die kürzlich durchgeführte Freischaltung der Virtuellen Kuh auf der Internetseite der Welt- und Europavereinigung. Reinhard Pfleger informierte über Neuentwicklungen im Bereich der Messtechnik. Die ersten Praxiserfahrungen mit laserunterstützter Messung sind durchwegs positiv. Ebenfalls konnte er den Teilnehmern druckfrisch das neue Handbuch zu FleckScore präsentieren, welches ab sofort über AGÖF und ASR beziehbar ist.

GENOSTARs im Scheinwerferlicht

Auch im Abendprogramm wurde den Exterieurexperten fachlich Interessantes geboten. Bei einem Besuch bei GENOSTAR in Gleisdorf zeigte sich im abendlichen Scheinwerferlicht beste Fleckviehgenetik vom aktuellen genomischen Jungvererber bis zum nachkommengeprüften Altstier. DI Peter Stückler kommentierte die gezeigten Stiere und gab Einblicke in die Zuchtphilosphie von GENOSTAR. Zünftig klang der Tag bei Fachgesprächen und dem einen oder anderen Schwank bei steirischer Jause und Wein beim Buschenschank aus.


Eine besondere Herausforderung

Eine besondere Herausforderung erwartete die Bewerter am Beginn des 2. Tages. Die am Vortrag beurteilten Kühe waren in geänderter Reihenfolge im Stall der Familie Derler vorbereitet und wie am Vortag linear zu beschreiben. Ging es am 1. Tag darum, die „wahre“ Beschreibung der Kühe gemessen am Mittelwert aller Bewerter zu treffen, war die Aufgabe der 2. Bewertungsrunde die Ergebnisse der eigenen 1. Bewertung möglichst genau zu wiederholen. Diese Wiederholbarkeitsbewertung wurde erstmals im Rahmen der gemeinsamen Exterieurbewerterschulung durchgeführt.

Fachreferate am zweiten Tag

Im Anschluss referierte Dr. Hermann Schwarzenbacher, ZuchtData, über die Veränderungen in den Zuchtprogrammen durch die Einführung der genomischen Selektion. Die ersten Erfahrungsjahre haben die Hoffnung auf  Beschleunigung des Zuchtfortschritts ebenso bestätigt wie die zu erwartenden deutlichen Schwankungen der Zuchtwerte, auch im Exterieur. An diversen Anpassungen und Verbesserungen des Systems wird laufend gearbeitet. Zur Minimierung des Risikos sind breite Streuung der Jungvererber gepaart mit hohem Zuchtwertniveau das Mittel der Wahl für Organisationen und Züchter.

Dr. Christian Fürst, ZuchtData, brachte in einem weiteren Beitrag Auswertungen aus dem Projekt „Efficient Cow“ unter besonderer Berücksichtigung von erfassten Exterieurmerkmalen. So konnten eindeutig positive Korrelationen von Fundamentmerkmalen auf Klauengesundheit und Bewegungsfähigkeit festgestellt werden.

In einer Fragerunde zum Thema FleckScore hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, konstruktive Vorschläge zur weiteren Verbesserung des Systems gemeinsam mit den anwesenden Verantwortungsträgern zu diskutieren.

Die Ergebnisse der Datenauswertung

Als Höhepunkt des Tages konnte Thomas Kahr eine umfangreiche Datenauswertung der Bewertungsergebnisse beider Tage jedem Teilnehmer in schriftlicher Form aushändigen. In  übersichtlicher Form war das Abschneiden in den Bewerben „Abweichung vom Mittel aller Bewerter“ und „Wiederholbarkeit der eigenen Bewertung“ für jeden Teilnehmer anonymisiert ersichtlich.

Durch diese Form der Datenauswertung konnten erstmals noch am selben Tag in Form eines Stationsbetriebs mehrere Kühe intensiv in Kleingruppen nachbesprochen werden. Hier wurde besonders auf die Bereiche Maßerfassung, Problemmerkmale und Mängelerfassung hingewiesen und die Ergebnisse von 1. und 2. Bewertung intensiv diskutiert.


In der abschließenden Zusammenfassung teilten AGÖF und ASR in Person von  Ing. Joahnn Tanzler und Dr. Georg Röhrmoser sowie Bernhard Luntz von der LFL Grub die Meinung, dass die Exterieurbewerterschulung 2015 in der Steiermark ein neues Niveau in der Qualität der Weiterbildung der Beurteiler erreicht hat. Die gewonnenen Erkenntnisse sollten somit wesentlich zur weiteren qualitativen Verbesserung von Bewertungen und daraus resultierenden  Exterieurzuchtwerten der Stiere beitragen. Besonderer Dank wurde der ausrichtenden Organisation Rinderzucht Steiermark und der Gastgeberfamilie Hans und Rosi Derler zuteil.